Interactive Soundart Projects

___Calling the Glacier________________________________Exhibitions

KLangwanderung Vent, im Ausflussbereich des Vernagt Ferner Gletscher, 2011.

Einmal Zivilisation - Natur und zurück. Eine Klangwanderung und akustische Führung von Kalle Laar in Vent und Umgebung.

Die bewusste Wahrnehmung unserer Lebensumgebung wird dominiert von den vielfältigen visuellen Eindrücken, die unablässig auf uns einwirken. In der westlichen Welt erlernen wir
automatisch eine gewisse Fähigkeit, mit diesen Reizen umzugehen, sie zu kanalisieren, zu bewerten, ihnen womöglich nicht zu trauen.

Weitgehend im Unbewussten bleibt dagegen unsere Klangwelt. Sofern diese nicht direkt thematisiert wird z.B. als Musik, Gespräch oder Signal, stehen wir unserer akustischen Umwelt weitgehend passiv gegenüber und bleiben den Geräuschen ausgesetzt, ohne dass wir es gelernt hätten mit ihnen vielleicht in ähnlicher Weise umzugehen, wie mit Foto oder Film.

Die Klangwanderung führte von Vent aus zu Punkten früher steinzeitlicher Zivilisation in den Naturraum und wieder zurück, sozusagen von der Alm in die Kirche. Teil der Führung waren einige kurze Vorträge und gemeinsame Übungen zum Thema Klang und Wahrnehmung, ausgerichtet an markanten Punkten der Landschaft und ausgehend von speziellen Hörerfahrungen an diesen Orten. Anhand der akustischen ‚Betrachtung’ eines reissenden Baches wurde zum Beispiel erfahrbar gemacht, wie unser Gerhirn Kontinuität erzeugt und Einzelereignisse zu einem Ganzen fügt. Beim Aufstieg in Richtung der Martin-Busch-Hütte wurden verschiedene Echo-Wahrnehmungen analysiert und die Durchsetzungsfähigkeit bestimmter Klänge erfahren und erklärt. Ein Höhepunkt war der Besuch des ‚Hohlen Steins’, gelegen am Aufstieg zum Hörnle. Dieser Rastplatz steinzeitlicher Jäger bietet eindrucksvolle Blicke in die Umgebung mit einigen Wasserfällen im mehrere Kilometer entfernten gegenüberliegenden Hang, hier wurden vor allem die Zeitlichkeit von Klang erfahrbar gemcht.

Den Abschluß bildete dann ein Besuch der Kirche von Vent, als Repräsentant von Zivilisation und fast schon urbaner Architektur. Warum verhalten wir uns zum Beispiel in der Regel still beim Betreten großer leerer (und nicht nur sakraler) Räume? Anhand einer Analyse der Bauweise wurde exemplarisch der Umgang mit Akustik in der Neuzeit erläutert, nicht ohne einige Blicke auf das modere Klangdesign von Produkten unseres täglichen Lebens. Die akustische Führung mit den gemeinsamen Übungen und Erfahrungen trug dazu bei, in den Teilnehmern wieder den Teil Ihrer Wahrnehmung wecken, der im Rauschen unseres täglichen Lebens verloren gegangen ist.